16. Januar 2020, 19 Uhr

Prof. Dr. Elke Brendel
„Wie wollen wir leben?”

Ziehen wir authentische Erfahrungen einem künstlichen, nur vorgetäuschten Glück vor, auch wenn die wirklichen Erfahrungen nicht so freudvoll sein sollten? Das Gedankenexperiment, das Frau Professor Brendel mitbringt, fordert unsere Intuitionen heraus: Wie wollen wir leben?

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Wie wollen wir leben? – Das Publikum hat entschieden!

 
Anhand verschiedener Gedankenexperimente haben die Besucher*innen der interaktiven philosophischen Vortragsreihe „denXte“ mit Prof. Dr. Brendel (Bonn) darüber diskutiert, wie wichtig die Authentizität des eigenen Erlebens für ein erfülltes Leben ist – Das Ergebnis: Kommt drauf an!
 
Virtual Reality, digitale Identitäten oder Wassertanks, in die man sich zum „Abschalten“ vom wirklichen Leben begibt – solche Phänomene legen eine Konkurrenz zwischen virtueller und realer Welterfahrung nahe. Ist für uns der Kontakt zur objektiven Wirklichkeit wichtig? Spielt es eine Rolle, ob wir frei oder angesichts äußerer Zwänge entscheiden? Ändert sich die Beurteilung vor dem Hintergrund widriger Lebensumstände, wie zum Beispiel der Aussicht auf ein authentisches aber leidvolles Leben mit einer unheilbaren und schmerzhaften Krankheit?
Um den Facettenreichtum der Fragestellung gerecht zu werden, stimmten die Anwesenden vor dem Hintergrund verschiedener Szenarios darüber ab, ob sie sich an eine Erlebnismaschine anschließen lassen würden oder nicht. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl bereits die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, als auch die Kenntnis philosophischer Hintergründe, einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung haben können: Teils blieben die Mehrheitsverhältnisse identisch, teils entschieden sich über 20% der Anwesenden um, teils drehte sich die Mehrheitsmeinung in Folge der philosophischen Diskussion sogar.
Entsprechend angeregt verlief auch der gesellige Ausklang des Abends mit vielen spannenden Gesprächen. 
 
Das denXte-Team bedankt sich für die rege Teilnahme und freut sich schon auf das kommende Sommersemester; mit weiteren Gelegenheiten, die eigene Intuition auf die Probe zu stellen.

Prof. Dr. Elke Brendel

16. Januar 2020, 19 Uhr

Haus der Universität, Schadowplatz 14 in 40212 Düsseldorf

Wie wollen wir leben?

Wir alle wollen ein glückliches, gelungenes und erfülltes Leben führen. Doch worin besteht diese Art von gutem Leben? In bestimmten hedonistischen Positionen wird das persönliche Wohlbefinden, wie etwa Empfindungen von Freude und Lust sowie die Abwesenheit von Schmerz, als das wichtigste anzustrebende Glück des Menschen angesehen. Das hedonistische Glück scheint jedoch weder ein Garant noch eine notwendige Bedingung für ein gelungenes Leben zu sein: Manche Menschen fühlen sich trotz eines Überflusses an freudvollen Erfahrungen unglücklich. Andere Menschen fühlen sich trotz eines vorwiegend leidvollen und entbehrungsreichen Lebens glücklich. Wichtig für ein gelungenes Leben ist es offenbar auch, dass wir uns Dingen und Projekten verschreiben, die wir für intrinsisch wertvoll erachten, die uns gleichsam aus- und erfüllen. Zudem sind soziale Kontakte, das Achten und Geachtet-Werden von anderen Menschen wichtige Bausteine für ein sinnerfülltes Leben. In der Philosophie, aber auch in Film und Literatur, wurden zahlreiche Szenarien ersonnen, die u.a. ein weiteres zentrales Kriterium eines erstrebenswerten Lebens aufzeigen sollen, nämlich das der Authentizität des Erlebens. Innere Erlebnisse von Glück, die bloß künstlich erzeugt wurden und nicht mit der Wirklichkeit in Kontakt stehen, können sich noch so freudvoll anfühlen. Ein Leben, das bloß auf simulierten Glücksempfindungen beruht, so die gängige Auffassung, ist für uns nicht erstrebenswert.Doch ist dies wirklich eine allgemein akzeptierte Auffassung? Ziehen wir authentische Erfahrungen einem künstlich, nur vorgetäuschten Glück vor, auch wenn die wirkliche Welt nicht so freudvoll sein sollte?

Gedankenexperiment (vgl. Robert Nozick 1974): Eine „Erlebnismaschine“ kann absolut zuverlässig ihr Gehirn so reizen, dass in ihnen der Eindruck eines Lebens entsteht, das sie schon immer führen wollten. Während Sie an diese Maschine angeschlossen sind, wissen Sie nichts mehr von dieser Maschine. Sie glauben, dass alles das, was sie erfahren, wirklich geschieht. Würden Sie sich an eine solche Maschine anschließen lassen?